Musenort der Weimarer Hofgesellschaft

Schloss und Park Tiefurt

Der Plan: Wir verbringen einen Tag im Park von Schloss Tiefurt – picknicken, quatschen und die frische Luft außerhalb der Stadt genießen. Laut Wettervorhersage wolkenloser, blauer Himmel, angenehme Temperatur. Die Realität: Wir kamen im Park an und keine halbe Stunde später goss es aus Eimern.

Mein Fahrrad sattelte ich am Vormittag und belud es mit selbstgemachtem Eistee, ein paar Snacks und einer großen Decke. Meine Freunde und ich fuhren entspannt auf dem Ilmtal-Radweg Schloss und Park Tiefurt entgegen und suchten dort einen Platz für unser Picknick. Dann öffnete sich der Himmel. Der Regen prasselte auf uns ein und wir suchten Unterschlupf am Schloss. Wir wussten, dass hier Besichtigungen möglich sind, und anstatt vom Wetter gezwungen mit dem Zug wieder nach Hause zu fahren, kauften wir uns kurzerhand Tickets. 

Radfahrerinnen genießen den Ausblick im Park Tiefurt

©Thomas Müller, weimar GmbH

Dichter, Denker und eine Herzogin

Schloss Tiefurt hat ein ländliches Antlitz. Es wirkt nicht wie das klassisch pompöse Schloss. Es sieht eher gemütlich aus, heimelig. Ich stelle mir vor, wie ich auf der Terrasse mit Pergola meinen Frühstückskaffee schlürfe. Das wäre ein gelungener Start in den Tag.

Der ehemalige Sommersitz der Herzogin Anna Amalia spiegelt den Geschmack der Zeit um 1800 wider. Wunderschöne Decken- und Bodenverzierungen sowie Wandbemalungen begleiten uns durch die Räume. Alles ist realitätsnah gehalten und mit Originalmobiliar bestückt. Es würde mich nicht wundern, wenn Goethe, Schiller oder Herder mit der Herzogin um die Ecke schlendern und über die neuste Ausgabe vom „Journal von Tiefurt“ sprechen. Dieses erschien im engsten Kreise Anna Amalias und wurde in wenigen handschriftlichen Exemplaren zur Unterhaltung aufgelegt. Sie selbst sowie Goethe und andere namhafte Bekannte der Weimarer Hofgesellschaft veröffentlichten darin.

Ein Zimmer mit gelben Wänden und pflanzlichen Wandbemalungen im Schloss Tiefurt

©Marcus Glahn, Schatzkammer Thüringen

Vom Hof aus werfen wir noch einen Blick in die „Kalte Küche“. Die dort ausgestellten historischen Schaugerichte aus Porzellan, Wachs und Papiermaché stammen aus dem herzoglichen Besitz. Die Speisen sind täuschend echt. Mein Magen meldet sich. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass wir bereits über eine Stunde in das Leben im 18 Jahrhundert eingetaucht sind. Daher verabschieden wir uns vom Schloss und wagen uns nach draußen.

21 Hektar Grün

Unser Glück – die Regenwolken sind weitergezogen und das Gelände wird vom Sonnenschein durchflutet. Der Schlosspark Tiefurt ist eingerahmt in eine Schleife der Ilm. Sanft abfallende Wiesen mit kleinen Baumgruppen breiten sich bis zu den Flussufern aus. Schnell haben wir einen passenden Platz gefunden: nicht auf der feuchten Wiese, die im Sonnenlicht funkelt, dafür aber auf einer Bank.
Wohl gesättigt laufen wir durch den Park und entdecken zahlreiche Parkarchitekturen. Unser Weg führt uns an Statuen und Büsten vorbei – alle haben sie eine persönliche Verbindung zur Herzogin. Anna Amalia widmete hier besonderen Menschen Denkmäler, wie Herder oder Wieland, welche selbst in Tiefurt verkehrten, oder Mozart, welcher die Musikkennerin begeisterte. 

Mein Lieblingsort ist wohl der Musentempel mitsamt hübscher Bepflanzung darum. Kein Wunder, dass sich die Weimarer Hofgesellschaft in diesem Ambiente zum geselligen künstlerischen und musischen Zeitvertreib traf. Bei den Runden hätte ich nur zu gern gelauscht. Man unterhielt sich über zeitgenössische Musik oder Bücher. Auch ich fühle mich hier wohl und möchte mich am liebsten mit einem guten Buch niederlassen, das sanfte Rascheln der Blätter im Hintergrund und die Sonne im Gesicht. In Gedanken plane ich bereits meinen nächsten Ausflug hierher.

 

Titelbild: ©Marcus Glahn, Schatzkammer Thüringen

 


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