Das neue Danakil

Aus dem Regen in die Wüste

Danakil heißt der mit besonderer Spannung erwartete Höhepunkt der BUGA 2021 in Erfurt. Das Wüsten- und Urwaldhaus zeigt zwei extreme Lebenswelten, in denen sich alles um ein einziges Element dreht – Wasser.

Erfurt - eine Gartenstadt mit Tradition

Seit dem 18. Jahrhundert gilt die „Blumenstadt“ Erfurt als Wiege des professionellen Gartenbaus. Auch mit Gartenausstellungen kennen sich die Erfurter bestens aus, seit im Jahr 1838 die erste Schau gezeigt wurde, der viele weitere folgten. 1961 wurde die „Internationale Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder IGA“ ausgerichtet, mit anspruchsvollem Konzept und über drei Millionen Besuchern.


Und jetzt? Kommt mit der BUGA 2021 die Gartenschau heim nach Erfurt. Doch was da gerade in dem nagelneuen, von leuchtend weißen Stahlstreben überspannten Glasbau wächst, der wie eine futuristische Erscheinung mitten im ex-IGA und heutigen egapark-Gelände sitzt, erstaunt selbst die mit allen Gießwassern gewaschenen Einheimischen: Hier gedeihen nicht nur Kakteen und tropische Schlingpflanzen. Hier herrscht wahlweise knochentrockene Saharahitze und tropisch-warme Dschungelfeuchte. Hier scharren Erdmännchen im Sand, Tannenzapfenechsen züngeln, und wer genau hinguckt, kann Kaktusmäuse und Süßwasserrochen entdecken. In ihrem (fast) natürlichen Habitat.

Außenansicht des Danakils ©Gregor Lengler, Thüringer Tourismus GmbH

Das neue Danakil

Danakil heißt das strahlende Highlight der BUGA 2021 in Erfurt: Es ist ein innovatives Wüsten- und Urwaldhaus, in dem die Besucher zwei der extremsten Naturlandschaften unseres Planeten erleben können – die Wüste und den Regenwald unter einem einzigen Dach. Seinen Namen hat das Haus von einer äthiopischen Region, die früher einmal ein Dschungel war, bevor sie sich zu einer der heißesten und trockensten Wüsten der Erde entwickelte. Zwei Lebenswelten, in denen Pflanzen und Lebewesen ganz besondere Anpassungsfähigkeiten ausprägen mussten, um zu überleben. Entweder mit sehr wenig Wasser. Oder mit sehr viel.

Die BUGA-Chefin Kathrin Weiß ©Gregor Lengler, Thüringer Tourismus GmbH

„Wir wollten ein grünes, zeitgemäßes Thema, das Besuchern ganzjährig ein echtes Erlebnis bietet“, sagt BUGA-Geschäftsführerin Kathrin Weiß, die mit dem Fahrrad zum Treffpunkt gekommen ist und einen Rucksack mit der Aufschrift „Gartengöttin“ trägt. „Mit Danakil erzählen wir, wie kostbar Wasser ist. Und wie Tiere und Pflanzen Strategien entwickeln, um sich an extreme Klimaverhältnisse anzupassen.“ Nicht zuletzt, erzählt Weiß augenzwinkernd, habe man damit dem Bestand der ega-Kakteensammlung ein schönes neues Zuhause bieten können.

In der Wüste

Wer ins Danakil-Haus kommt, muss erst ein aus Spritzbeton täuschend echt nachgebildetes ausgetrocknetes Flusstal durchqueren, ein Wadi, bevor er in die lichte, weite Halle gelangt, die einer hügeligen Erd- und Sandwüste nachempfunden ist. Hier recken sich Palmen der Sonne entgegen, wurzeln Sukkulenten wie eine vier Meter hohe Opuntie im staubtrockenen Boden.

Stachelige Wasserspeicher - Kakteen ©Gregor Lengler, Thüringer Tourismus GmbH

Die Wüstentiere, darunter Spinnen und Skorpione, sind sicher in Terrarien untergebracht. Auf transparenten „magischen Monitoren“ können die Besucher außerdem typische Tiere und Pflanzen erleben, die geschützt sind und deshalb nicht im Danakil-Haus präsent sind. Und wer mit dem „Landschaftsscanner“ auf ein Gewächs zeigt, dem erklärt der Monitor so ziemlich alles, was es dazu zu wissen gibt.

Die grüne Hölle

Die zweite Erlebniswelt, der Regenwald, ist „eine richtige grüne Hölle“, wie der verantwortliche Gärtner Markus Lehmann nicht ohne Stolz betont. In den Substratboden, der Feuchtigkeit speichert, haben er und seine Kollegen über 1.000 Pflanzenarten eingegraben – nach einem Pflanzplan, der zusammen mit der Szenographin entwickelt wurde.

Visualisierung der Erlebniswelt Regenwald ©Victoria Wille BUGA Erfurt 2021 GgmbH

Schließlich sollte das Ergebnis möglichst echt aussehen. Selbst der Aufzug in das Obergeschoss versteckt sich in den mächtigen Armen einer (künstlichen) Würgefeige. Wasser plätschert, bunte Schmetterlinge flattern über den Köpfen der Besucher. Zu festen Fütterungszeiten werden sie mit Zuckerwasser versorgt, erzählt Lehmann und begeistert sich weiter: „So ein Projekt wie das Danakil-Haus hat es noch nie gegeben. Wasser ist so wichtig für das Klima! Und hier versteht der Besucher endlich die Zusammenhänge.“ Der junge Gärtner zeigt auf eine Bromelie, die sich hoch oben an der Krone eines Regenwaldbaums angesiedelt hat. „In ihrem Trichter sammelt sie Wasser. Und diesen kleinen Tümpel nützt der Pfeilgiftfrosch zum Laichen“. Und das mitten in Erfurt. Die Gründerväter des Gartenbaus hätten ihre helle Freude!

Gärtner Marcus Lehmann - in der Dschungelwelt zu Hause ©Gregor Lengler, TTG

Der Namensgeber

Namensgeber des neuen Wüsten-Urwald-Hauses ist die Danakil-Wüste in Äthiopien. Sie ist eine der menschenfeindlichsten Regionen der Welt und wird als das „Höllenloch der Schöpfung“ bezeichnet. Es wird vermutet, dass hier die Wiege der Menschheit stand. Natürlich war das Klima zu dieser Zeit kühler und feuchter.