Städtehopping im Norden

3 auf einen Streich

In kürzester Zeit möglichst viel sehen wollen? Das war die Vorgabe meiner Freundin, Charlotte, für unseren Wochenendtrip. Sie mag muckelige Städte mit mittelalterlichem Flair – auch Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuser und verwunschene Gässchen haben es ihr angetan. Das wäre „super instagramable“ wie sie immer sagt. Nur gut, dass sich das hervorragend mit meinem geplanten Städte-Hopping inklusive kleinen Kulturprogramms vereinen lässt. Dann mal los.

Unterwegs in Eisenach

Unsere Tour startet in der Wartburgstadt – das hat durchaus Doppelbedeutung. Einmal gibt’s die Wartburg, welche auf einem Berg über Eisenach thront, und dann den Wartburg. Der wurde während der DDR in Eisenach hergestellt und dabei handelt es sich um ein Auto. Charlotte konnte ich zu einem Besuch der „automobile welt eisenach“ leider nicht begeistern. Dabei werden in der Stadt seit 1898 Autos gebaut. Nun ja. So tingeln wir durch die Straßen der Innenstadt und kommen nicht umhin, andere geschichtliche Eindrücke mitzunehmen. Das Lutherhaus fällt uns sofort ins Auge. Es ist eines der ältesten und schönsten Fachwerkhäuser der Stadt. Definitiv ein Foto wert, das erkenne sogar ich. Auch der Innenhof ist klein und fein, mit seinen bunten und verzierten Balkonen.
Von Luther zu Bach ist es nicht weit. Sowohl im übertragenen Sinne als auch räumlich. In wenigen Schritten stehen wir vor der Georgenkirche. Luther predigte hier. Und der kleine Johann Sebastian Bach wurde hier getauft. Der damalige spätgotische Taufstein ist reich verziert, sehr hübsch. Beeindruckend, wenn man überlegt, dass man am selben Ort wie Bach getauft werden kann.
Ein Stück weiter befinden wir uns am Bachhaus. Unserem Trip verleihen wir im Museum einen melodischen Touch. Wir lauschen barocken Instrumenten bei einem Live-Konzert – das übrigens stündlich stattfindet – laufen in ein „Begehbares Musikstück“ und entspannen bei Bachs Kompositionen in Bubble Chairs. Weitere Entspannung gibt’s im Garten direkt am Bachhaus. 

Grüner wird’s nicht

Garten ist das Stichwort für unser nächstes Ziel: Bad Langensalza. Wenn Charlotte hier nichts für ihren Instagram-Account findet, weiß ich auch nicht. Die Stadt besitzt 10 Parks und Themengärten. Von der ebenfalls muckeligen Stadt mit bunten Gebäudefassaden und gepflasterten Plätzen mal abgesehen. Ich bin sicher, dass ich damit punkten kann. 
Wir beginnen etwas fernöstlich. Mit großen Augen und achtsam läuft sie durch den wunderschön angelegten Garten mit dem klangvollen Namen “Garten der Glückseligkeit“. Der japanische Garten ist in verschiedene Bereiche untergliederte; einer schöner als der andere. Am besten gefällt uns die Teichlandschaft mit Holzbrücke, Zickzack-Steg und den farbenprächtigen Kois, die sich unter uns im Wasser tummeln. Charlotte möchte im April wiederkommen – da blüht die Kirschblüte. Eine Mitarbeiterin am Eingang schwärmte sehr davon.
Gleich nebenan tauchen wir in ein Meer aus Rosen ein. Im Rosengarten gibt es über 450 verschiedene Arten und Sorten. Ich weiß nicht, wo ich als erstes hin schnuppern soll. Und Charlotte weiß nicht, was sie als erstes fotografieren soll – rosenbehangene Pergola oder den Rosenbogen oder den süßen Pavillon, der umringt ist von Blüten. Wir „erklimmen“ noch den Aussichtshügel und werden mit einem Blick über den gesamten Rosengarten belohnt. 

Mittelalter hoch zehn 

Und wir starten zum letzten Punkt auf unserer Liste: Mühlhausen, die Stadt der Türme, Tore und Kirchen. Mittelalterliches Flair, wo man nur hinsieht. Großartig. Sehr charmant ist auf jeden Fall ein kleiner Spaziergang entlang der alten Stadtmauer; richtig mit Turm und Toren zum Durchgehen. Durch das innere Frauentor spazieren wir direkt auf die Marienkirche zu. Sie ist schon von außen eine Augenweide. Sehr imposant im gotischen Stil erbaut. Nach dem Erfurter Dom ist sie das zweitgrößte Kirchengebäude Thüringens. Wir besuchen auch noch die Divi-Blasii-Kirche. Ebenfalls ein Schmuckstück, leicht französisch angehaucht. Schön gestaltete Türme, ein großes Rosenfenster über dem Eingang, das mich an die Rosette des Notre Dame erinnert, und innen wunderschöne Buntglasfenster beim Hochaltar. Hier begegnet uns wieder Johann Sebastian Bach. Der spielte nämlich an der Orgel. Und ich spiele gerade die zweite Geige, weil Charlotte unablässig fotografiert. Ich werte das aber als Kompliment.

 

Titelbild: ©Tino Sieland, Welterberegion Wartburg Hainich

Welterberegion Wartburg Hainich

Die Welterberegion Wartburg Hainich liegt zentral mitten in Deutschland zwischen Unstrut und Werratal und umfasst zahlreiche Attraktionen. Neben den Städtzen Eisenach, Mühlhausen oder der blühendsten Stadt Europas, Bad Langensalza, gibt es noch viel mehr zu entdecken.